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  • AutorenbildMalyavati Klapper

Worauf solltest du bei einem Bengalkatzen-Züchter achten?

Aktualisiert: 4. Jan. 2023

Bengalen zählen, neben Maine Coon, zu den beliebtesten Rassekatze Österreichs. Da sie auch eine der teuersten Rassekatzen sind, gibt es unter den Züchtern auch jene, die um des Profits Willen züchten und nur wenig Wissen um die besonderen Bedürfnisse dieser Katzen haben.

Besonders jene Züchter die Kätzchen billig anbieten und keinem Zuchtverein angehören, sind mit Vorsicht zu geniessen. Doch nicht alle Liebhaber-Zuchten sind unseriös - darum ist es gut zu wissen, worauf es bei einem guten Züchter ankommt.


Das exotische Aussehen und ein hundeähnliches Verhalten sind Merkmale dieser Hybrid-Rasse.


Warum ist das überhaupt wichtig?

Hybridrassen wie Bengalen und Savannahkatzen haben eine Wildkatze in ihrem Stammbaum und sind daher ihren wilden Verwandten viel näher als andere Rassen. Dies zeigt sich in vor allem in einem stark ausgeprägtem Jagd- und Territorialverhalten. Darum ist es bei diesen Rassen wichtig, sie als Kätzchen "richtig" auf das spätere Leben vorzubereiten. Dazu gehören richtige Sozialisierung und artgerechte Haltungsbedingungen.


Kann ein Züchter diese Punkte nicht erfüllen, tendieren diese Katzen zu aggressivem Verhalten. Nicht selten landen sie dann als Abgabetiere im Tierheim, weil sie ihren Besitzern gebissen, die Wohnung zerstört haben oder einfach "zu viel" werden.

 

Was macht also einen seriösen Züchter aus?


Ein seriöser Züchter ist bemüht, seine Katzenzöglinge so gut wie möglich auf ihr späteres Leben vorzubereiten, damit das Zusammenleben im neuen Heim harmonisch verläuft. Dazu gehört zum Beispiel den Katzen verschiedene Futterarten zur Verfügung zu stellen, sie an verschiedene Arten von Katzenstreu zu gewöhnen und auch das "Handling" des Tieres (zum Beispiel, sie daran zu gewöhnen, dass man sie aufhebt oder angreift). Natürlich gehört auch artgerechte Haltung zum Verantwortungsbereich eines guten Züchters. Die Katzen sollten sauber gehalten werden mit ausreichend Platz und abwechslungsreicher Umgebung.


Sozialisierung:


Die wichtigste Zeit im Leben eines Kätzchens liegt zwischen der 4. und 7. Lebenswoche. Dies ist die Zeit, in der sie am schnellsten lernen und die Fähigkeit entwickeln mit Artgenossen, Menschen und Alltags-Situationen umzugehen. Alles, was sie in dieser Zeit erleben (positiv und negativ) prägt sie fürs Leben. Diese Phase nennt man "Sozialisierungsphase". In dieser Zeit sollte die Sozialisierung stattfinden.

Die Sozialisierung eines Kätzchens verläuft auf drei Ebenen:

  • Sozialisierung auf Menschen Dies umfasst unter anderem die Kätzchen hochnehmen, angreifen, streicheln

  • Sozialisierung auf Artgenossen Die Kätzchen lernen "Katzenetikette": wie man mit Artgenossen umgeht, wo Grenzen liegen, wie man richtig kommuniziert, etc. Dies lernen sie vor allem von ihrer Mutter, aber auch durch den Kontakt mit Artgenossen

  • Sozialisierung auf Situationen Gewöhnung an den Reisekorb, Autofahren, andere Haustiere, Geräusche (Staubsauger), Gerüche, Besucher, Katzenstreu, Futter, etc.

Da laut dem österreichischen Tierschutzgesetz ein Katzerl erst mit 10 Wochen vom Züchter übernommen werden darf, ist es dann reichlich spät für Sozialisierungsmaßnahmen. Alles, was das Katzerl bis dahin nicht gelernt hat, wird sie auch nicht mehr so leicht lernen. Die Verantwortung der richtigen Sozialisierung liegt also beim Züchter.


Artgerechte Haltungsbedingungen:


Ein weiterer wichtiger Punkt für das spätere Leben der Kätzchen sind die Haltungsbedingungen unter denen sie aufwachsen.

Werden sie nur in einem Zimmer gehalten oder dürfen sie das gesamte Haus erkunden? Ist der Bereich in dem sie leben sauber? Haben sie genug Beschäftigungsmöglichkeiten? Sind ausreichend Katzenkisterl (Klos) vorhanden? Haben sie genug Futter? Werden sie reinlich gehalten? Werden die Kätzchen zusammen mit der Mutter gehalten (sehr wichtig!)? Welche Spielzeuge sind sie gewöhnt?


Woran erkennst du also einen guten Züchter?


Guten Züchtern ist es wichtig, dass die Standards ihrer Zucht bestehen bleiben. Sie halten ihre Katzen in sauberen Räumen, in einem liebevollen Umfeld und trennen die Kätzchen vor allem nicht von der Mutter. Sie kennen den Charakter ihrer Tiere, sind bewandert was Gesundheit, Ernährung und Verhalten der Rasse angeht. Ein guter Züchter wird dir Fragen stellen, um zu erfahren in welchen Haushalt das Kätzchen kommt. In manchen Fällen wird ein Züchter dir vielleicht zu einem anderen Kätzchen raten, als dem, das du dir ausgesucht hast, weil er den Charakter der Kätzchen gut kennt und ihm das Wohl der Kätzchen am Herzen liegt.


Ein verlässlicher Züchter:

  • Kennt sich wirklich gut mit Gesundheit, Verhalten und auch eventuellen Problemen der Rasse aus

  • Hat eine Liebe zur Rasse und zu den eigenen Tieren

  • Kennt den Charakter der Kätzinnen, Kater und Kätzchen

  • Beantwortet dir gerne alle Fragen

  • Stellt dir Fragen, um herauszufinden ob seine Tiere ein gutes Zuhause bekommen

  • Informiert dich über artgerechte Haltung

  • Gibt dir Tipps

  • Ist bereit, dir zu zeigen wo und wie die Kätzchen aufwachsen

  • Ist bereit dich die Kätzchen (ab der 3. Woche) besuchen zu lassen

  • Lässt dich die Eltern der Kätzchen sehen

  • Hält die Kätzchen bis zur Abgabe zusammen mit ihrer Mutter

  • Bringt die Kätzchen auch mit Artgenossen zusammen, damit sie normales Katzenverhalten lernen

  • Gewöhnt die Kätzchen an verschiedene Arten von Futter und Katzenstreu

  • Gewöhnt die Kätzchen an Alltagsgeräusche, Reisekörbe, Auto und Tierarzt

  • Lässt die Tiere untersuchen und Impfen bevor er sie abgibt

  • Verkauft keine Kätzchen unter 10 Wochen

  • Macht dir keinen Druck

  • Versucht nichts zu verheimlichen

  • Ist Mitglied eines Zuchtvereins

  • Ist bereit dir die Zuchtpapiere zu zeigen

  • Ein wirklich seriöser Züchter wird dir auch dein Geld zurückzugeben (innerhalb eines bestimmten Zeitraums) oder das Kätzchen zurücknehmen, wenn etwas nicht passt

  • Ein wirklich seriöser Züchter verlangt, dass du die Kätzchen zurückgibst, solltest du sie nicht behalten können

Was dir zu denken geben sollte:

Wenn ein Züchter

  • behauptet Bengalen oder Savannahs wären "einfache" Katzen und für Anfänger geeignet

  • behauptet Bengalen oder Savannahs wären pflegeleicht

  • sagt die Kätzchen bekommen nur eine Sorte Futter, weil das später einfacher wäre

  • dich die Kätzchen nicht besuchen lässt (aus welchem Grund auch immer - zB. weil du Krankheiten einschleppen könntest)

  • behauptet, die Kätzchen würden bei der Mutter aufwachsen, du sie aber nie gemeinsam mit ihr siehst

  • das Kätzchen in ein extra Zimmer bringt, wenn du es besuchen kommst

  • dir nicht zeigt wo die Kätzchen aufwachsen

  • dir nicht zeigt, wie die Katzen gehalten werden

  • dir nicht wirklich etwas über den Charakter der einzelnen Katzen und Kätzchen sagen kann

  • die Kätzchen von der Mutter trennt, sobald sie Fleisch fressen

  • die Kätzchen ohne Kontakt zu ausgewachsenen Artgenossen (Mutter, Vater, andere Katzen) gehalten werden

  • nur ein Kisterl für alle Katzen zur Verfügung steht

  • die Katzen in unsauberen Verhältnissen hält

Sowie auch

  • wenn die Kätzchen sehr scheu sind und sich nicht angreifen lassen

  • wenn die Katzen/Kätzchen in einem kleinen Zimmer gehalten werden und keinen Zugang zum Wohnbereich haben

Noch ein paar Tipps zum Schluß:


Weitere Dinge, die du bedenken solltest, bevor du dir einen Stubenleoparden nach Hause holst:


Bengalkatzen fordern viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Obwohl ich selbst lange der Meinung war, dass man Katzen auch einzeln halten kann (z.B. in kleinen Wohnungen) rate ich dir Bengalkatzen immer nur zu zweit aufzunehmen - vor allem, wenn du wenig Zeit zu Hause verbringst, die Katze viel alleine wäre oder du sie nicht ausreichend beschäftigen kannst (Bengalkatzen lieben interaktives Spiel).


Hast du einen Hund? In der Regel verstehen sich Bengalen gut mit Hunden. Wenn du einen Hund hast, würde ich dir empfehlen dir die Kätzchen von einem Züchter zu nehmen, der selbst einen Hund zu Hause hat, denn dann ist die Zusammengewöhnung der Tiere absolut unkompliziert.


Erwarte von deinem Stubenleopard nicht, dass er ein Schmusetiger ist. Obwohl diese Katzenrasse sehr menschenbezogen ist, sind verschmuste Exemplare eher die Ausnahme.


Bengalen sind hochenergetische Tiere. Hast du vor die Katzen als reine Stubentiger (Wohnungskatzen) zu halten, dann gestalte deine Wohnräume katzengerecht - gib ihnen ausreichend Kletter- und Kratzmöglichkeiten - und vor allem genügend Katzekisterl.

Stelle ihnen eventuell ein Laufrad zur Verfügung.


Lerne deine Katze an die Leine zu nehmen. Die meisten Bengalen eignen sich super für Spaziergänge. Bist du an Leinentraining für Katzen interessiert, dann empfehle ich dir mein Buch "Die Kunst des Katzenwanderns" - es enthält viele Tipps und Anleitungen wie du eine Katze an Geschirr und Leine gewöhnst.

Bengalkatzen sind zweifellos wunderschöne Tiere, doch sogar erfahrene Katzenhalter empfinden sie oft als Herausforderung. Darum - such dir einen verlässlichen Züchter, der sich gut um seine Kätzchen kümmert und informiere dich ausreichend über die Vor- und Nachteile dieser Rasse, bevor du dir Bengal-Kätzchen nach Hause holst.



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